Die Advance-Decline-Line versteht sich als technisches Analysewerkzeug zur Erkennung eines Trends von einem entsprechenden Index.

Unter einem Trend versteht sich das Fallen oder Steigen über einen gewissen Zeitraum, der auf diese Weise die aktuelle Index-Situation beschreiben soll. Steigt beispielsweise der DAX an einem Tag, kann man daraus zwar eine Wertsteigerung ableiten, aber nicht eindeutig die Schlussfolgerung ziehen, dass sich der DAX in einem positiven Aufwärtstrend befindet. Selbst wenn der DAX zwei Tage in Folge steigt, lässt sich, aufgrund von unterschiedlichen Gewichtungen einzelner Unternehmen im Index, nicht auf einen Trend schließen.

Die Advance-Decline-Line analysiert die Trendentwicklung, indem sie die Anzahl der gestiegenen Aktien von der Anzahl der gefallenen Aktien aus dem betrachtetem Index subtrahiert. Dieses Ergebnis wird mit dem Ergebnis des Vortags addiert. Daraus lässt sich, vor allem im direkten Vergleich der Entwicklung des Index selbst, deutlich geeigneter auf einen Trend schließen. Gewichtungen einzelner großer Unternehmen im Index beeinflussen diesen Trendindikator daher nicht.

Im S&P 500 Index nehmen beispielsweise die Unternehmen Apple, Microsoft, Amazon, Tesla und Google aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung deutlich über 20 Prozent der Indexgewichtung ein. Würden diese Werte an einem Tag besonders stark steigen, selbst während die Masse der Unternehmen im Index schwächer notiert, könnte dies den Index immer noch nach oben treiben. Mithilfe der Advance-Decline-Line macht man diese Divergenz sichtbar und kann daraufhin rationalere Handelsentscheidungen treffen.

Berechnungsbeispiel (Index mit 500 Einzelaktien):
Tag 1: 260 Aktien steigen – 240 Aktien fallen = Zwischensaldo: 20 | Endwert: 20
Tag 2: 300 Aktien steigen – 200 Aktien fallen = Zwischensaldo: 100 | Endwert: 120
Tag 3: 330 Aktien steigen – 170 Aktien fallen = Zwischensaldo: 160 | Endwert: 280
Tag 4: 400 Aktien steigen – 100 Aktien fallen = Zwischensaldo: 300 | Endwert: 580

An diesem Berechnungsbeispiel sehen wir, dass die aktuelle Index-Situation Hinweise auf einen positiven Aufwärtstrend gibt. Vergleicht man diesen Verlauf anschließend mit dem Index, kann man daraus Rückschlüsse auf die Entwicklung des Marktes ziehen. Steigen oder fallen beide Werte, kann man in der Regel von einem Fortgang diesen Trends ausgehen. Entwickelt sich aber die Advance-Decline-Line entgegengesetzt zum Index, kann dies eine Trendumkehr signalisieren.

Trendindikatoren wie die Advance-Decline Line basieren nicht auf dem momentanen Geschehen, sondern nutzen Daten aus der Vergangenheit. Sie stellen also keine mathematische Vorhersage der Zukunft dar, sondern dienen als Handelsinstrument, um datenbasiertere Entscheidungen treffen zu können. Es ist dringend davon abzuraten, aufgrund einzelner Indikatoren oder Berechnungsmodelle entsprechende Handelsentscheidungen zu treffen. Diese sollten unserer Meinung nach stets als einzelne Mosaiksteinchen betrachtet werden, die uns in ihrer Gesamtheit einen besseren Marktüberblick verschaffen können.

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